Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Taubheit, mitochondrial, medikamenten-induziert [T88.7]

OMIM-Nummer: 580000, 561000 (MT-RNR1), 590080 (MT-TS1)

Dr. rer. biol. hum. Soheyla Chahrokh-Zadeh, Dipl.-Biol. Birgit Busse

Wissenschaftlicher Hintergrund

Irreversibler Hörverlust ist eine schwerwiegende Komplikation bei der Behandlung mit Aminoglykosid-Antibiotika wie Streptomycin, Gentamicin und Kanamycin. Seit vielen Jahren ist bekannt, dass Mutationen in den maternal vererbten mitochondrialen Genen hierbei eine wichtige Rolle spielen.

Mutationen an Positionen m.1494C>T und m.1555A>G des mitochondrialen 12S rRNA-Gens (MT-RNR1) sind mit dem Risiko Aminoglykosid-induzierter Taubheit assoziiert. Auch die Position m.961 (MT-RNR1) wird in diesem Zusammenhang in der Datenbank für mitochondriale Mutationen (MITOMAP) aufgeführt, wobei diesbezügliche Aussagen noch unklar sind. Der Wirkungsmechanismus der Aminoglykoside beruht auf der irreversiblen Bindung an die verwandte 30S Untereinheit der bakteriellen Ribosomen, die zu einer Störung der Proteinbiosynthese führt.

Auch die Mutation m.7445A>G im MT-TS1-Vorläufer-Gen, welches für die mitochondriale tRNASer(UCN) codiert (und gleichzeitig das  MT-CO1-Gen (mitochondriale Cytochrom C Oxidase-Untereinheit 1) betrifft konnte im Zusammenhang mit Aminoglykosid-induziertem Hörverlust identifiziert werden. Gleichzeitig wurde diese Mutation bei Patienten mit nicht-syndromischem, sensorineuralem Hörverlust ohne Antibiotikaeinnahme nachgewiesen.

Eine kombinierte Anlageträgerschaft der Mutation m.1555A>G und der Variante m.7444G>A (MT-CO1) scheint das höchste Risiko für einen Hörverlust zu bergen.

Literatur

Pandey&Pandey (2015) http://dx.doi.org/10.5772/61218 / Bitner-Glindzicz et al, N Engl J Med 360:640 (2009) / Vandebona et al N Engl J Med 360:642 (2009) / Maász et al, Curr Med Chem 15:1257 (2008) / Jin et al, Biochem Biophys Res Commun 361:133 (2007) / Ballana et al, Biochem Biophys Res Commun 341:950 (2006)