Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Rett-Syndrom und ähnliche Erkrankungen

Dr. rer. biol. hum. Soheyla Chahrokh-Zadeh

Wissenschaftlicher Hintergrund

Das klassische Rett-Syndrom ist eine X-chromosomal-dominante neurodegenerative Erkrankung (Häufigkeit 1:10.000), die überwiegend beim weiblichen Geschlecht auftritt. Beim klassischen Verlauf verlieren die Kinder nach zunächst unauffälliger Entwicklung zwischen dem 6. und 18. Lebensmonat bereits erworbene Fähigkeiten, v.a. sinnvolle Handfunktionen, sprachliche Äußerungen und soziale Interaktion. Ein Leitsymptom ist die Entwicklung stereotyper Handbewegungen. Weitere Symptome sind verzögertes Wachstum, Mikrozephalie, Gangataxie, Episoden von Apnoe oder Hyperpnoe, Schlafstörungen, zunehmende Skoliose und Krampfanfälle. Die wenigen männlichen Betroffenen zeigen überwiegend eine schwere neonatale Enzephalopathie. Das klassische Rett-Syndrom wird durch Mutationen im MECP2-Gen hervorgerufen (siehe auch Rett-Syndrom).

Nicht-klassische, atypische Formen des Rett-Syndroms mit früh einsetzenden Krampfanfällen können durch Mutationen im CDKL5-Gen verursacht sein (siehe auch Rett-Syndrom, atypisch, frühkindliche Epilepsie).

Mutationen im FOXG1-Gen wurden sowohl bei klassischen als auch bei atypischen Formen des Rett-Syndroms beschrieben und zeigen eine sehr große klinische Heterogenität. In den letzten Jahren wurden noch einige weitere Gene entdeckt, in denen Mutationen beschrieben wurden, die zu Rett-Syndrom-ähnlichen Krankheitsbildern bzw. Verläufen führen können. Bei Patienten mit Rett-Syndrom-ähnlichen Erkrankungen kann daher eine NGS-Paneldiagnostik indiziert sein, die im Einzelfall zur Diagnose und damit zu genaueren Aussagen zur Prognose und zum Wiederholungsrisiko führen kann.

Literatur

Allou et al Clin Genet doi: 10.1111/cge.12784 (2016) / Le Meur et al J Med Genet 47:22  (2010)/
Tran Mau-Them et al Eur J Hum Genet 22:289 (2014) / Olson et al Am J Med Genet A 167:2017 (2015)