Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Loeys-Dietz-Syndrom (LDS)

Dr. rer. nat. Karin Mayer

Wissenschaftlicher Hintergrund

Loeys-Dietz-(Aortenaneurysmen)-Syndrom (LDS) stellt eine wichtige klinische Entität als Differenzialdiagnose zu Erkrankungen mit Aortenaneurysmen wie dem klassischen Marfan-Syndrom und dem vaskulären Ehlers-Danlos-Syndrom (vEDS) dar. Charakteristisch für LDS Typ I sind Hypertelorismus, Kraniosynostose, Gaumenspalte oder Uvula bifida sowie eine Schlängelung von Arterien und Aneurysmen auch in anderen Arterien als der Aorta. LDS Typ II beschreibt einen bei 25% der Patienten vorliegenden LDS-Subtyp ohne kraniofaziale Auffälligkeiten, aber mit charakteristischen Hautauffälligkeiten wie weiche und durchscheinende Haut mit atrophischer Narbenbildung und Hämatomneigung.

Anhand molekulargenetischer Daten kann LDS in LDS1 (TGFBR1-Mutationen), LDS2 (TGFBR2-Mutationen), LDS3 (SMAD3-Mutationen), LDS4 (TGFB2-Mutationen) und LDS5 (TGFB3-Mutationen) unterteilt werden. Patienten mit TGFBR1- oder TGFBR2-Mutationen sind klinisch nicht unterscheidbar. Patienten mit SMAD3-Mutationen haben ein höheres Risiko für Osteoarthritis, Patienten mit TGFB2-Mutationen sind eher groß, haben häufiger eine Mitralklappeninsuffizienz und insgesamt einen milderen klinischen Phänotyp, während Patienten mit TGFB3-Mutationen klinische Überlappungen zu Marfan-Syndrom, Shprintzen-Goldberg-Syndrom und Loeys-Dietz-Syndrom mit erheblicher kardiovaskulärer Beteiligung zeigen. Bei LDS wurden bisher in 60-70% Mutationen im TGFBR2-Gen, in 20-30% der Patienten Mutationen im TGFBR1-Gen, in 5% im SMAD3-Gen und in 1% im TGFB2-Gen identifiziert, der Anteil an TGFB3-Mutationen ist nicht bekannt.

Die Erfassungsrate von TGFBR1/2-Mutationen bei Patienten mit LDS1 und LDS2 liegt bei 95%, bei Marfan-ähnlichem Syndrom mit unvollständiger Symptomatik bei etwa 10% und bei TAAD zwischen 1 und 4%. Bei Patienten mit TAAD liegt der Anteil von SMAD3-Mutationen bei 2%, von TGFB2-Mutationen zwischen 0,7 und 7% und von TGFB3-Mutationen bei 2%.

Literatur

Cannaerts et al, Eur J Med Genet 58:695 (2015) / Bertoli-Avella et al, J Am Coll Cardiol 65:1324 (2015) / van Laer et al, Adv Exp Med Biol 802:95 (2014) / Loeys and Dietz in: GeneReviews™, updated 2013 Jul 11 / Loeys et al, Nat Genet 3:275 (2005) / Dietz et al, Am J Med Genet 139C:4 (2005)