Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Faktor VII-Defizienz [D68.23]

OMIM-Nummer:  227500, 613878 (F7)

Dipl.-Biol. Birgit Busse, B.Sc. Camilla Ladinig

Wissenschaftlicher Hintergrund

Faktor VII (FVII) ist ein Vitamin-K-abhängiges Glykoprotein, das in der Leber synthetisiert und ins Blut abgegeben wird. Dieses bildet im Beisein von Kalzium einen Komplex mit Gewebethromboplastin (Tissue Factor, TF). Hierbei wird Faktor VII zu Faktor VIIa aktiviert. Der TF-FVIIa-Komplex wiederum aktiviert Faktor X und Faktor IX, wodurch es im weiteren Verlauf der Gerinnungskaskade zur Polymerisation von Fibrin kommt.

Der genetisch bedingte Faktor VII-Mangel gehört zu den seltenen angeborenen Blutgerinnungsstörungen und wird durch Mutationen im F7-Gen bedingt. Die Erkankung wird autosomal rezessiv vererbt und hat eine Inzidenz von ca. 1:300.000. Heterozygote Anlageträger sind normalerweise asymptomatisch, homozygote oder compound-heterozygote Träger entwickeln häufig eine hämorrhagische Diathese (krankhaft gesteigerte Blutungsneigung). Ein Faktor VII-Mangel fällt durch einen pathologischen Quickwert bei normaler PTT auf. Die residuale Faktor VII-Aktivität korreliert oftmals nicht mit dem Ausmaß der Blutungsneigung. Die Symptomatik der Erkrankung prägt sich sehr variabel aus, da ein Mangel an Faktor VII nicht nur durch genetische Faktoren beeinflusst wird. Auch Umwelteinflüsse wie Ernährung, Diabetes oder die Einnahme von Sexualhormonen (bei Frauen) modulieren den Phänotyp.

Eine Faktor VII-Defizienz kann auch erworben sein (z.B. bei erworbenem Vitamin-K-Mangel, Lebererkrankungen). Selten ist ein Faktor VII-Mangel auch im Kontext einer Thrombophilie beschrieben, die meist mit einer Hyperhomocysteinämie einhergeht.

Es besteht die Möglichkeit einer Substitutionstherapie mit konzentrierten FVII-Präparaten oder rekombinantem aktivierten FVII.

Literatur

Peyvandi et al., Haemophilia, 18:148 (2012) / Kogiso et al., Clin Apll Thromb Hemost, 17:E205 (2011) / Herrmann et al., Haemophilia, 15:267 (2009) / Herrmann et Wulff, Hämostaseologie 2:94 (2004) / Perry, Brit J of Haematology 118:689 (2002)