Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Aktive Immunisierung mit Partner-Lymphozyten

Wie wird die Behandlung durchgeführt ?

Die Immunisierungsbehandlung sollte vor dem Eintreten der Schwangerschaft bzw. vor dem Embryonentransfer stattfinden. Paare, die für eine Immunisierungsbehandlung in Frage kommen, können sich in unserer transfusionsmedizinischen Sprechstunde zu einem ausführlichen Beratungsgespräch vorstellen. Zu diesem Vorgespräch sollten beide Partner erscheinen. Dabei wird die Indikation zur Immunisierung anhand der Vorgeschichte überprüft und Gegenanzeigen ausgeschlossen. Ein wesentlicher Bestandteil des Vorgesprächs ist die Aufklärung über Erfolgsaussichten und mögliche Nebenwirkungen der Therapie.

Für die Beurteilung der Erfolgsaussichten und zum Ausschluss von Gegenanzeigen sind meist spezielle Laboruntersuchungen beider Partner notwendig. Die hierfür erforderliche  Blutentnahme kann direkt nach dem Gespräch durchgeführt werden. Eine endgültige Entscheidung für oder gegen eine Immunisierung kann erst nach dem Vorliegen dieser Untersuchungsergebnisse, d.h. nach 2-3 Wochen getroffen werden.

Am Tag der Immunisierung wird in unserer Sprechstunde zunächst dem männlichen Partner zwischen 8.00 - 8.30 Uhr ca. 100 ml venöses Vollblut aus der Ellenbeugenvene entnommen, welches für die Herstellung des Präparats verwendet wird. Ein Teil des Blutes wird auf 

Infektionserreger (HIV, Hepatitis-B-, Hepatitis-C-Virus und SyphilisErreger) untersucht. Aus dem restlichen Blut werden Lymphozyten isoliert und zu einem Präparat verarbeitet, das ca. 30-50 Mio. Lymphozyten, keine roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und nur wenige Blutplättchen (Thrombozyten) enthält. Das Gesamtvolumen des Präparates beträgt ca. 1,0 - 1,5 ml.

Das Lymphozytenpräparat des Partners wird am gleichen Tag nachmittags der Patientin appliziert, vorausgesetzt, die infektionsserologischen Befunde des Partners sind unauffällig. Zu diesem Termin sollte die Patientin in Begleitung erscheinen. Das Präparat wird mit sehr feinen Nadeln in die Haut des Unterarms gespritzt. Man benötigt ca. 8-10 Einstiche, damit das gesamte Präparat verabreicht werden kann.

Wann ist eine aktive Immunisierung sinnvoll ?

Die Ursache für unerfüllten Kinderwunsch kann in ca. 30% der Fälle nicht eindeutig geklärt werden. Immunologisch bedingte Fertilitätsstörungen sind besonders schwer zu diagnostizieren und bleiben daher häufig unerkannt. Hinweise auf immunologische Störungen können u.a. die Immunphänotypisierung der Lymphozyten (weiße Blutkörperchen) oder ein Ungleichgewicht der Th1-Th2 Zytokin-Profile geben. Eine ausbleibende oder inadäquate mütterliche Immunreaktion gegenüber dem Embryo kann zu Frühaborten oder Implantationsversagen führen.

Wie wirkt die aktive Immunisierung ?

Bei der aktiven Immunisierung mit Partner-Lymphozyten handelt es sich um einen experimentellen Therapieansatz. Ziel der Behandlung ist es, modulierend auf das mütterliche Immunsystem einzuwirken, es gegenüber den embryonalen Gewebeantigenen zu sensibilisieren und die Toleranzentwicklung gegenüber dem Embryo zu fördern. Die Indikation für eine Behandlung kann nur gemeinsam mit einem Kinderwunschzentrum gestellt werden und setzt mindestens 3 Fehlgeburten oder 3 erfolglose IVF-Versuche voraus, deren Ursache trotz umfangreicher Diagnostik nicht geklärt werden konnte. Fertilitätsstörungen, die eine genetische, anatomische, hormonelle oder infektiöse Ursache haben, können nicht mit Übertragung der Partner-Lymphozyten behandelt werden. Falls eine erhöhte Blutgerinnungsneigung vorliegt, sollte diese bei vorherigen Behandlungszyklen bereits berücksichtigt worden sein.