Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Robinow-Syndrom („Fetal Face Syndrome“)

Dr. rer. biol. hum. Soheyla Chahrokh-Zadeh, Dr. med. Imma Rost

Wissenschaftlicher Hintergrund

Beim Robinow-Syndrom handelt es sich um eine seltenes genetisch bedingtes Syndrom, dessen Leitsymptome charakteristische kraniofaziale Merkmale (prominente Stirn und flaches Mittelgesicht, kurze Nase mit evertierter Nasenbodenebene, weiter Augenabstand), ein Kleinwuchs mit mesomeler Verkürzung v.a. der oberen Extremität, Brachyklinodaktylie V und ein hypoplastisches Genitale v.a. im männlichen Geschlecht sind. Bei 80 bis 90% sind die kognitiven Fähigkeiten normal. Bei 10 bis 20% wird eine Entwicklungsstörung beschrieben. Die Erstbeschreibung durch Meinhard Robinow et al (1969) an einer Familie mit Betroffenen in sechs Generationen ließ auf eine autosomal-dominante Vererbung schließen. Betroffene Geschwister bei gesunden Eltern, v.a. bei Konsanguinität, zeigten, dass es auch eine autosomal-rezessiv vererbte Form gibt. Als Ursache dieser Form wurden 2000 Mutationen in ROR2 gefunden (Afzal et al, Bokhoven et al), eine Tyrosin-Kinase, deren Mutationen auch eine autosomal-dominante Form der Brachydaktylie B verursachen. Als genetische Ursache der autosomal-dominant vererbten Form in der Familie aus der Erstbeschreibung wiesen Person et al 2010 Mutationen im WNT5A-Gen nach, 2015 wurden als weitere Ursache Mutationen in den Genen DVL1 und DVL3 gefunden (White et al). Damit werden genetisch derzeit drei Formen unterschieden; klinisch sind die dominanten Formen ähnlich, die rezessive Form scheint mit einem deutlicheren Minderwuchs und zusätzlichen Skelettfehlbildungen im Bereich der Rippen und Wirbelkörper verbunden zu sein.

Literatur

White et al, AJHG, 98,553 (2016) / White et al, AJHG 96,645 (2015) / Person et al, Dev Dyn 239,327 (2010)  / van Bokhoven et al, Nat Genet 25,423 (2000) / Afzal et al, Nat Genet 25,419 (2000)/ Robinow et al, Am J Dis Child 117,645 (1969)