Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Alagille-Syndrom (arteriohepatische Dysplasie)

Dr. med. Imma Rost

Wissenschaftlicher Hintergrund

Das klinisch sehr variable Alagille-Syndrom zeigt Symptome in mehreren Organsystemen, vor allem aufgrund der intrahepatischen Gallengangshypoplasie und dadurch bedingter Cholestase in der Leber, weiterhin angeborene Herzfehler, vor allem Stenosen der pulmonalarteriellen Gefäße, Wirbelanomalien in Form von Schmetterlingswirbeln und am Auge ein hinteres Embryotoxon. Es werden charakteristische Gesichtszüge beschrieben. Morbidität und Mortalität werden vor allem durch die kardiologischen und hepatischen Symptome bestimmt. Die (Verdachts-) Diagnose wird in erster Linie klinisch anhand einer typischen Merkmalskombination gestellt; sie kann molekulargenetisch bestätigt werden durch Nachweis von Mutationen in den Genen JAG1 oder NOTCH2, wobei die überwiegende Mehrzahl der Patienten pathogene Varianten in JAG1 trägt, davon 5-10 % Mikrodeletionen des gesamten oder von Teilen des Gens in 20p12. Nur ca. 1-2 % der Patienten tragen Mutationen in NOTCH2. Familiäres Vorkommen wird in 30-50 % der Betroffenen beobachtet; die Vererbung erfolgt autosomal-dominant, die Häufigkeit wird auf 1:30.000 geschätzt.

Literatur

Saleh et al, The Applicationof Clinical Genetics 9:75 (2016), Spinner et al, Gene Reviews (2013)