Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Coffin-Siris- Syndrom (CSS)

Dr. med. Imma Rost, Dr. rer. biol. hum. Soheyla Chahrokh-Zadeh

Wissenschaftlicher Hintergrund

Beim Coffin-Siris-Syndrom handelt es sich um ein komplexes Syndrom, dessen Leitsymptome eine Entwicklungsstörung unterschiedlichen Ausmaßes und eine Muskelhypotonie, ein charakteristisches Aussehen mit vollen Lippen, breiter Mundspalte, breitem Nasenrücken und breiter Nasenspitze, kräftigen Augenbrauen, langen Wimpern und einer Hypertrichose des Körpers bei eher spärlichem Kopfhaar sind. Außerdem ist eine Hypoplasie/Aplasie des Endglieds des 5. Fingers bzw. des  Fingernagels charakteristisch. Es kann auch an weiteren Fingern oder auch den Zehen eine Nagelhypoplasie vorliegen. Bei den meisten Kindern liegt im Säuglings- und Kleinkindalter eine Gedeihstörung vor, bei etwa der Hälfte treten Krampfanfälle auf, knapp die Hälfte haben eine Schwerhörigkeit, oft infolge gehäufter Luftwegsinfekte, etwa die Hälfte hat einen Strabismus bzw. eine Ptose. Herzfehler und Fehlbildungen der Niere und ableitenden Harnwege kommen bei ca. einem Drittel vor.

Ursache sind heterozygote Mutationen in derzeit sechs bekannten Genen: ARID1A, ARID1B, SMARCA4, SMARCB1, SMARCE1 und SOX11, wobei Mutationen in ARID1B mit etwa 35-40% am häufigsten sind. Bei etwa 40% der Patienten mit klinischem Verdacht auf ein Coffin-Siris-Syndrom kann in den genannten Genen keine ursächliche Variante nachgewiesen werden. Die Erkrankung wird autosomal-dominant vererbt, wobei allerdings in der Regel bei Betroffenen eine Neumutation vorliegt. Deletionen wurden bisher selten beschrieben (v.a. in ARID1B). Aufgrund der genetischen Heterogenität kann bei klinischem Verdacht auf ein Coffin-Siris-Syndrom eine Gen-Panel-Diagnostik der erwähnten Gene sinnvoll sein.