Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

Retinitis pigmentosa

Dr. rer. nat. Christoph Marschall

Familiäre Retinopathien treten bei verschiedenen Erkrankungen mit überlappender Symptomatik auf wie Retinitis pigmentosa (RP), die Lebersche kongenitale Amaurose (LCA), die Stargardt Erkrankung, das Usher-Syndrom (USH), das Bardet-Biedl-Syndrom (BBS) und das Senior-Løken-Syndrom.

Die Inzidenz der RP beträgt 1:3.000-5.000 wobei die syndromalen Erkrankungen seltener sind. In den meisten Fällen ist nur die Retina klinisch betroffen. Die Symptomatik ist gekennzeichnet durch eine Nachtblindheit und ein langsam progredientes Nachlassen des zentralen Sehens ab ungefähr dem 20. Lebensjahr, das zunächst auf die Degeneration der Stäbchen-Photorezeptoren auf der Retina beschränkt ist. Später können auch noch die Zapfen betroffen sein. Es gibt allerdings auch syndromale Erkrankungen, bei denen die Dystrophie der Retina das erste Symptom ist und die sich im Frühstadium schlecht differenzieren lassen.

Patienten mit Usher-Syndrom zeigen neben der RP auch noch einen Hörverlust. Sogar bei den reinen Retinopathien kann die Differentialdiagnostik schwierig sein, da die Symptomatik oft überlappt und sich durch den meist progredienten Verlauf das volle Spektrum der Erkrankung erst nach Jahrzehnten zeigen kann. Zusätzlich ist intrafamiliäre Variabilität bekannt. Die Ursachen der RP sind sehr heterogen, da über 80 ursächliche Gene bekannt sind. 35-60% der RP-Fälle werden autosomal rezessiv, 15-25% autosomal dominant und 15% x-gekoppelt vererbt. Mutationen im USH2A-Gen verursachen 10-15% einer syndromalen Form der RP - dem autosomal rezessiv vererbten USH. Bei den rezessiv vererbten Fällen können in bis zu 85% Mutationen in den Genen RPGR inklusive ORF15 und RP2 nachgewiesen werden. Ungefähr 25% aller nicht syndromalem RP-Fälle lassen sich auf Mutationen im Rhodopsin-Gen (RHO) zurückführen, die einem autosomal dominanten Erbgang folgen. Im NGS-Panel Augenerkrankungen können die Gene der verschiedenen Formen der RP parallel analysiert werden (Gen-Panel Diagnostik). Bei den autosomal rezessiven Formen ist die diagnostische Sensitivität 20-30%, bei den dominanten Formen 80-85% und bei den syndromalen Formen über 85%.

Literatur

Almoguera et al, PLoS One 10:e0133624 (2015) / Chiang et al, Expert Rev Mol Diagn 15:1269 (2015) / Daiger et al. Clin Genet 84:.doi10.1111/cge.12203 (2013)