Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin, Dr. Klein, Dr. Rost und Kollegen

"Core"-Gene in der humangenetischen Diagnostik

"Core"-Gene beziehen sich auf ein oder mehrere klinische Kernsymptome und umfassen alle erforderlichen Gene, die zwingend bei einer diagnostischen Abklärung untersucht und beurteilt werden müssen. Alle "Core"-Gene müssen zu 100% abgedeckt sein, d.h. sie dürfen keine diagnostischen Lücken (Gaps) aufweisen (s. auch Empfehlungen von EuroGenTest, sog. Klasse A-Analysen).

Merkmale von "Core"-Genen

  • Gene aus etablierter Standard-/Stufendiagnostik, für die prophylaktische oder therapeutische Konsequenzen bereits bekannt und/oder etabliert sind (z.B. Gene aus existierenden Leitlinien oder Empfehlungen von Fachgesellschaften),
  • Gene, die aufgrund von Literatur- und Datenbank-Recherchen als sehr wahrscheinlich krankheitsassoziiert eingestuft werden müssen,,
  • Gene, deren Qualifikationskriterien regelmäßig überprüft werden.

Einschlußkriterien für "Core"-Gene

  • möglichst mehrfach beschrieben, auch in verschiedenen Familien
  • wissenschaftlich belegte funktionelle Signifikanz im Zusammenhang mit der Erkrankung
  • diagnostische Sensitivität > 1% der klinisch gesicherten Fälle
  • diagnostische Sensitivität 0,1 – 1% bei sehr seltenen Erkrankungen und bei therapeutischer Konsequenz

Ausschlußkriterien für "Core"-Gene

  • isolierte Evidenz aus Assoziationsstudien
  • genetische Varianten mit hoher Frequenz in der Normalbevölkerung in Abhängigkeit von der jeweiligen Erkrankung und dem Vererbungsmodus